Meine letzten 12 Monaten waren geprägt von einer Zerrissenheit, die ich noch nie zuvor gespürt habe. In mir der Kampf zwischen “Ich muss diesen Gefühlen nachgehen, denn meine Seele braucht, will und nimmt sich diese Erfahrung” und “Das geht doch nicht, ich kann das doch nicht machen, damit zerstöre ich alles. Ich zerbreche Herzen – kleine und große – und lege Welten in Schutt und Asche”
Es gab kein Jahr in meinem Leben, in dem die Gegensätze meiner Emotionen so groß waren: So tiefer Schmerz auf der einen, und so viel Liebe, Leidenschaft und Euphorie auf der anderen Seite. Beides alleine hätte ich richtig gut aushalten können. Die Dualität war schier unerträglich.
Aber ich lebe noch, auch wenn ich zwischendurch dachte, ich komme um. Und in der Tat lag ich auch ein paar Stunden im April in der Notaufnahme mit Kardio Überwachung und Bluttests und einem Blutdruck von 200 zu irgendwas…
Und dennoch: Ich bin hier, ich habe überlebt, ich liebe, weine noch immer, und bin inzwischen aber so tief verankert in meiner Wahrhaftigkeit, geerdet in tiefem Gottvertrauen. Einmal mehr sage ich in der vollen Überzeugung meiner Naivität: Ich bin unzerstörbar.
Auf diesem Weg gab es zwei Energien, die mich geschützt und getragen haben: Wahrheit und Zeit.
Ich habe nämlich festgestellt, dass die meisten Dinge, vor denen wir Angst haben, Scheinriesen sind. Wie in Lukas der Lokomotivführer. Dieser Riese, der von weitem ganz groß aussieht, aber je näher man kommt, desto kleiner wird er. Wenn man endlich vor ihm steht, stellt man fest, dass er sogar kleiner ist als man selbst.
Ich habe in den letzten 12 Monaten einige dieser Scheinriesen gefürchtet. Sie sogar erstmal verleugnet, um dann so eingeschüchtert von ihnen gewesen zu sein, als ich sie schließlich nicht mehr ignorieren konnte.
Aber ich stehe jetzt davor und merke, sie sind kleiner als ich. Was hat es gebraucht, um das zu erkennen und den Weg trotzdem auf sich zu nehmen, ohne zu wissen, wie riesig dieses Ding am Ende des Horizontes wirklich ist?
Wahrheit und Zeit.
Erstens: Wenn du etwas fühlst, das dich so überwältigt, dass du an nichts mehr anderes denken kannst, dann nimm das ernst. So ernst! Deine Seele klopft an und will dir was sagen.
Zweitens: Sprich deine Wahrheit aus, vor dir und vor allen, die diese Wahrheit kennen müssen, damit deine Energie rein bleibt und du in die Augen derer schauen kannst, die von dieser Wahrheit betroffen sind.
Drittens: Nimm dir Zeit. Vor allem, um zu weinen. Weil wenn du weinen musst, bist du in deinen Emotionen, die wollen fließen, daraus kannst du keine guten und integeren Entscheidungen treffen. Nimm dir dann Zeit, den Weg zu gehen, bevor du weißt, wie es ausgeht. Weil das kannst du nicht. Mir hilft dabei das berühmte Gottvertrauen und Demut. Ich glaube, dass ich als kleiner dummer Mensch gar nicht in der Lage bin, das, was Gott mir als Auftrag in die Hände gibt, zu Ende zu denken. Ich habe dafür ein Werkzeug, man nennt es Intuition.
Viertens: Vertraue, dass du Antworten bekommst, wie die nächsten Schritte aussehen. Sei offen und achtsam. Nimm deine Gefühle und deine Intuition ernst. Vertraue. Bitte! Unbedingt.
Fünften: Verzeihe dir deine Menschlichkeit. Ambivalenz, Unentschlossenheit, Unnachsichtigkeit, Fehler, die du auf dem Weg machst. Du bist ein Mensch und darfst menschlich sein, mit allem was das heißt: Notlügen, kraftlos sein und tagelang nicht duschen, Kids vor dem Bildschirm parken weil du gerade nix anderes kannst als heulen, dich betrinken …. whatever… Du bist Mensch.
Letztlich ist das Wichtigste – und das habe ich gelernt – dass du den Weg nicht aus deiner Angst heraus beschreitest, denn dann kommst du immer wieder dort hin zurück, wo du hergekommen bist und wo du eigentlich nicht mehr sein willst oder kannst. Wir treffen die beschissensten Entscheidungen aus der Angst heraus. Period.
Hier schließt sich der Kreis: Das, wovor wir Angst haben, sind oft Scheinriesen. Die tun groß. Geh mal auf sie zu. Die werden immer kleiner.
Einer meiner Scheinriesen war die Weihnachtszeit. Das erste mal Weihnachten, an dem ich getrennt von dem Vater meiner Kinder bin. Das kann ich ihnen doch nicht antun, es ist doch Weihnachten – dachte ich im Juli…
Jetzt steht der Scheinriese vor mir. Weißt du was? Er ist kleiner als ich.
Eine wundervolle magische Weihnachtszeit wünsche ich dir von Herzen.
xoxox Liberty

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